Die Pläne der EnBW für ein neues Gaskraftwerk am Standort des Großkraftwerks Mannheim (GKM) werfen aus Sicht der Fraktion Die GRÜNEN / Die PARTEI noch zahlreiche Fragen auf.
Hintergrund der aktuellen Kraftwerksplanungen ist insbesondere die Ausgestaltung des geplanten Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetzes (StroVKG), das zur Stabilisierung des Stromnetzes einen starken Schwerpunkt auf neue Gaskraftwerke legt.
Unsere Sorge: So werden klimaschädliche Strukturen langfristig zementiert und Klimafolgekosten in Milliardenhöhe nicht einberechnet. Die Energiewende darf nicht zulasten neuer fossiler Abhängigkeiten ausgebremst werden.
Außerdem kündigte die EnBW eine Laufzeit von 4000h/Jahr an. Das ist aus Sicht der reinen Rentabilität des Kraftwerks (ohne Berücksichtigung von Klimafolgekosten) plausibel. Es steht jedoch grundsätzlich einer Argumentation des ausschließlichen Betriebs bei sogenannter Dunkelflaute entgegen. Auf diesen wenigen Tagen im Jahr beruht jedoch die ausgelobte Strategie von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Das passt nicht zusammen.
Inhaltlich sehen wir als Fraktion die Gefahr, dass beim Ausbau fossiler Stromerzeugung nachhaltige Alternativen, wie Batteriespeicher und die Flexibilisierung des Stromnetzes, zu wenig berücksichtigt werden.
Wie konkret die EnBW-Pläne für ein neues Gaskraftwerk in Mannheim schon sind, überrascht. Der Bürgerdialog wurde sehr kurzfristig angekündigt, was vermutlich auch die geringe Beteiligung erklärt. Das muss künftig besser laufen. Wir erwarten im weiteren Prozess bis zur Ausschreibung im Dezember eine umfassendere und transparente Bürgerbeteiligung.
Auch die angekündigte Möglichkeit einer späteren Umrüstung auf Wasserstoff geht mit Fragen einher. „‚H2-ready“ ist kein Klimaschutzversprechen. Entscheidend ist, wann tatsächlich umgestellt wird, woher der Wasserstoff kommt, wie er hergestellt wird und zu welchen Kosten er verfügbar ist. Deutschland braucht einen belastbaren Weg in eine klimafreundliche Energieversorgung.
Wir setzen uns deshalb auf den verschiedenen politischen Ebenen dafür ein, dass so wenig Geld wie möglich in neue – möglicherweise überdimensionierte – fossile Infrastruktur fließt. Baden-Württemberg will bis 2040 klimaneutral sein. Als Hauptanteilseigner der EnBW muss das Land dafür sorgen, dass dieses Ziel auch die Investitionsentscheidungen des Unternehmens prägt.
Insgesamt sind noch zu viele Fragen offen: Wie viel Kraftwerksleistung wird tatsächlich benötigt? Sind die geplanten Kapazitäten erforderlich? Wann und unter welchen Bedingungen erfolgt die Umstellung auf Wasserstoff? Woher kommt dieser und welche Auswirkungen hat sein Preis auf die Stromkosten? Und welche Folgen hat das Kraftwerk für den Anschluss Mannheims an das Wasserstoffnetz?
Als Fraktion begleiten wir den Prozess kritisch mit.
Amtsblattartikel von Stadträtin Nina Wellenreuther - 22.10.2026