Anfrage zur Sitzung des Gemeinderats am 08.10.2026
Die Verwaltung und die Polizeibehörde informieren den Gemeinderat:
A. Gefahrenprognose und Sicherheit im Stadion
- Welche konkrete Gefahrenprognose wurde im Vorfeld des Spiels erstellt und welche besonderen Sicherheitsrisiken wurden aufgrund der bekannten Rivalität zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern sowie der Erfahrungen aus früheren Begegnungen für dieses Spiel erwartet?
- Welche Erkenntnisse über die Fan- und Gewaltszene, frühere Ausschreitungen, geplante Aktionen, Pyrotechnik, Fanmärsche und mögliche Platzstürme lagen den Sicherheitsbehörden vor?
- Waren Polizei und Verwaltung vor diesem „Hochrisikospiel“ im Gespräch mit dem Vereinsvorstadt?
- Welche Sicherheitsmaßnahmen wurden aufgrund dieser Gefahrenprognose zwischen Stadt, Polizei, dem SV Waldhof und dem 1. FC Kaiserslautern vereinbart? Gab es Antikonfliktteams und wie wurden dieses eingesetzt?
- Wer war für die Organisation des Ordnungsdienstes und der Sicherheit im Stadion zuständig? Wie viele Ordner und private Sicherheitskräfte waren eingesetzt und welche konkreten Aufgaben hatten diese insbesondere bei Einlasskontrollen, Fantrennung und der Sicherung des Innenraums?
- Wer ist für die Einlass- und Taschenkontrollen zuständig und welche Maßnahmen werden bei einem positiven Fund ergriffen? Zählen szenetypische Objekte wie Ski- Masken oder Sturmhauben zu den verbotenen Gegenständen?
- Wer stellt die Einlasskräfte ein, wie werden diese geschult und wie wird sichergestellt, dass sich unter diesen nicht auch gewaltbereite Ultras befinden?
- Welche Erkenntnisse liegen vor, wie Pyrotechnik und Raketen in das Stadion gelangen konnten, und warum konnten deren Einsatz bzw. der Beschuss anderer Zuschauerbereiche und des Spielfelds nicht verhindert werden? Erfolgten Kontrollrundgänge und ein Absuchen des Stadiongeländes nach verbotenen Gegenständen einen Tag vor und am Spieltag durch Polizei oder Verein?
- Welche Maßnahmen waren zur Verhinderung eines Platzsturms vorgesehen und warum konnten diese den Platzsturm nicht verhindern?
- Welche Schwachstellen des Sicherheitskonzepts wurden bei der bisherigen Aufarbeitung festgestellt und welche konkreten Verbesserungen sollen daraus abgeleitet werden?
- Bei der Sicherung der Einfahrt zum Gartenschauweg wurden in der letzten Saison durch den Verein gestellte Ordner eingesetzt. Ist es richtig, dass in dieser Saison dies der KOD übernommen hat? Wie ist der KOD hier eingebunden? Wie hoch sind die Kosten pro Spiel?
B. Polizeieinsatz und strafrechtliche Aufarbeitung
- Wie viele Tatverdächtige wurden bislang identifiziert, wie viele Ermittlungsverfahren eingeleitet und wie viele Personen vorläufig festgenommen?
- Welche Möglichkeiten bestehen, identifizierte Gewalttäter künftig durch Stadionverbote, Hausverbote oder weitere rechtliche Maßnahmen von Fußballveranstaltungen fernzuhalten? Wie werden Stadionverbote konkret umgesetzt?
- Wie viele Polizeikräfte, Feuerwehrleute, Rettungskräfte und private Sicherheitskräfte waren insgesamt im Einsatz und wie viele Einsatzstunden sind jeweils angefallen?
- Wie bewertet die Polizei den Einsatzverlauf und insbesondere die Entscheidung, angesichts der Eskalation Polizeikräfte in den Stadioninnenraum zu entsenden?
- Welche Erkenntnisse liegen darüber vor, ob der Umfang des Polizeieinsatzes im Vorfeld angemessen bemessen war oder ob aufgrund der Ereignisse zusätzliche Kräfte nachgeführt werden mussten?
- Warum wurde das Spiel trotz heftiger Ausschreitungen, Platzsturm und Werfen von Pyrotechnik nicht abgebrochen?
C. Kosten
- Wie hoch sind die bislang bekannten bzw. erwarteten Gesamtkosten des Einsatzes, aufgeschlüsselt nach Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, kommunalen Diensten, Verkehrsmaßnahmen, Reinigung und sonstigen Leistungen?
- Welche Schäden sind am Carl-Benz-Stadion und an sonstigem städtischem Eigentum entstanden und wer trägt diese Kosten?
- Welche Kosten und Schäden sind durch Versicherungen gedeckt und welcher Anteil verbleibt voraussichtlich bei der Stadt bzw. anderen Trägern der öffentlichen Hand? Die Verwaltung wird darum gebeten, dem Gemeinderat sobald wie möglich eine vollständige Übersicht über sämtliche öffentliche Kosten zur Verfügung stellen.
- Welche Kosten können nach geltendem Recht gegenüber dem SV Waldhof, dem 1. FC Kaiserslautern oder einzelnen Verursachern geltend gemacht werden?
- Welche vertraglichen Regelungen bestehen zwischen der Stadt Mannheim und dem SV Waldhof hinsichtlich der Kosten und Schäden, die im Zusammenhang mit dem Spiel entstehen? Welche Kosten müssen nach diesen Regelungen die Stadt tragen und welche Kosten müssen die beteiligten Vereine übernehmen?
- Welche Ansprüche auf Schadensersatz werden gegenüber identifizierten Verursachern verfolgt?
- Hat der SV Waldhof oder der Veranstalter angeboten, sich freiwillig an den außergewöhnlichen Kosten des Einsatzes bzw. den entstandenen Schäden zu beteiligen?
- Die Verwaltung wird darum gebeten, über folgende Kosten Auskunft zu geben:
- Wie hoch sind die Kosten für die Polizeieinsätze zur Absicherung der Heimspiele des SV Waldhof Mannheim für das Land Baden-Württemberg?
- Wie viele Polizeikräfte müssen bei Hochrisikospielen zusätzlich aus anderen Bundesländern herangezogen werden und wer trägt die dadurch entstehenden Kosten?
- Welche Kosten (z. B. für den Kommunalen Ordnungsdienst) entstehen der Stadt Mannheim für die Überwachung und Absicherung des öffentlichen Raums während der Heimspiele?
- Wie hoch waren die Schäden durch Vandalismus im öffentlichen Raum in der Saison 2025/2026?
- Wie hoch sind die in den beiden vergangenen Spielzeiten durch Vandalismus entstandenen Schäden beim RNV? Wer trägt diese Schäden?
- Welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen bereits heute, aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Beteiligung von Veranstaltern an zusätzlichen Polizeikosten, die bei Hochrisikospielen entstehenden Kosten dem SV Waldhof Mannheim bzw. anderen Verantwortlichen aufzuerlegen? Gilt dies auch für Schäden und sonstige Kosten, die durch Vandalismus im Zusammenhang mit dem Spiel entstehen?
- Wie bewertet die Verwaltung die Forderung des Landesrechnungshofs Baden-Württemberg nach einer landesrechtlichen Regelung zur Beteiligung von Veranstaltern an den zusätzlichen Polizeikosten bei Hochrisikoveranstaltungen, und wird die Stadt Mannheim eine solche Regelung gegenüber der Landesregierung unterstützen bzw. aktiv einfordern?
- Welche Möglichkeiten sieht die Stadt, bereits über Nutzungs-, Miet- oder Veranstaltungsverträge mit dem Betreiber bzw. Veranstalter eine stärkere Kostenbeteiligung und verbindliche Sicherheitsleistungen bei Hochrisikospielen zu vereinbaren?
D. Prävention
- Welche Gespräche hat die Verwaltung seit dem Spiel mit dem SV Waldhof, dem 1. FC Kaiserslautern, den Fanprojekten und den Sicherheitsbehörden geführt und welche konkreten Maßnahmen wurden dort vereinbart?
- Welche konkreten Maßnahmen plant der SV Waldhof, um künftige Ausschreitungen zu verhindern? Was ist geplant, um das das Einschleusen und Abbrennen von Pyrotechnik, Platzstürme und Gewalttaten eigener Anhänger zu verhindern? Welchen Einfluss hat der SV Waldhof auf die eigene Ultraszene?
- Wird die Stadt die Nutzung des städtischen Carl-Benz-Stadions bei künftigen Hochrisikospielen von der Erfüllung verbindlicher zusätzlicher Sicherheitsauflagen abhängig machen und gegebenenfalls finanzielle Sicherheitsleistungen verlangen?
- Welche Konsequenzen sind vorgesehen, wenn Veranstalter oder Vereine vereinbarte Sicherheitsstandards nicht einhalten?
- Welche konkreten Maßnahmen der Mannheimer Stadionallianz wurden im Vorfeld des Spiels umgesetzt, welche haben sich als wirksam erwiesen und welche haben sich als unzureichend erwiesen? Wie sollte die Stadionallianz weiterentwickelt werden?
- Was unternehmen Polizei und Verwaltung, um künftig solche Eskalationen zu verhindern?
- Was tun Verein und Polizei, um Gefährdungen von unbeteiligten, friedlichen Fans bei kommenden Spielen zu verhindern?
- Welche konkreten Erkenntnisse aus der Aufarbeitung sollen in die Sicherheitskonzepte für zukünftige Hochrisikospiele einfließen und bis wann sollen diese Maßnahmen umgesetzt werden?
E. Einsatz der Polizeipferde
- Aus welchen Gründen wurden während der Ausschreitungen Polizeipferde im Stadioninnenraum eingesetzt, welche Alternativen wurden geprüft und wer traf die Entscheidung über ihren Einsatz?
- Wie viele Pferde waren konkret im Einsatz, wurden sie während des Einsatzes durch Pyrotechnik oder andere Gegenstände gefährdet oder getroffen, wurden sie anschließend tierärztlich untersucht und wurden Verletzungen, Verbrennungen, Atemwegs- oder sonstige gesundheitliche Beeinträchtigungen festgestellt? Welche tierschutzrechtliche Bewertung liegt hierzu seitens des Veterinäramtes vor und welche Konsequenzen zieht die Verwaltung daraus für den Einsatz von Pferden bei zukünftigen Hochrisikospielen?
Begründung
Im Rahmen des Pokal-Spiels des SV Waldhof gegen Kaiserslautern kam es am 21.08.2026 zu schweren Ausschreitungen. Dabei wurden 35 Polizist*innen verletzt, 85 weitere Personen mussten medizinisch versorgt werden. Zudem entstanden dabei erhebliche Kosten für die öffentliche Hand. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schätzt allein die Kosten für den Polizeieinsatz auf ca. 700.000 bis 1 Mio. Euro.
Wir erwarten eine umfassende Aufarbeitung der Ereignisse. Es muss geklärt werden, wie es trotz der bekannten Risikolage zu dieser Eskalation kommen konnte und welche Konsequenzen daraus gezogen werden. Ziel der der Aufarbeitung soll es sein, konkrete Konsequenzen für zukünftige Spiele des SV Waldhofs, insbesondere Hochrisikospiele, im Carl-Benz-Stadion zu ziehen. Dazu gehören insbesondere verbesserte Sicherheitskonzepte, eine wirksame Prävention von Pyrotechnik und Platzstürmen, eine klare Verantwortungs- und Kostenverteilung sowie ein angemessener Umgang mit dem Einsatz von Tieren bei derartigen Einsatzlagen. Die Tierrechtsorganisation PETA hat aufgrund des Einsatzes der Pferde Strafanzeige erstattet.
Dabei steht auch der SV Waldhof in der Verantwortung, seinen Einfluss auf die Fanszene wahrzunehmen und wirksame Maßnahmen gegen Gewalt und schwere Sicherheitsverstöße zu ergreifen.
Ausschreitungen einer gewaltbereiten Ultra-Szene werden wir als Stadtgesellschaft nicht länger hinnehmen.
Zugleich ist zu klären, wer für die entstandenen Kosten und Schäden aufkommt und wie verhindert werden kann, dass diese dauerhaft von der Allgemeinheit getragen werden.